Gerüchte, dass das nächste Nexus-Tablet von HTC hergestellt werden könnte, existieren schon länger, nun sind erstmals konkrete Spezifikationen und auch ein frühes Presse-Rendering aufgetaucht. Der Verkaufsstart soll im 4. Quartal 2014 beginnen.
Auch wenn es sich bei dem Presse-Rendering freilich noch nicht um die finale Version handelt, gibt es doch einen guten Eindruck davon, wie das Nexus-Tablet von HTC letztendlich aussehen könnte, nämlich wie eine Mischung aus dem jetzigen Nexus 7 und dem Nexus 5.
Was den Preis angeht, wird spekuliert, dass das bisher nur als “Volantis” bekannte Tablet ab 399 US-Dollar starten soll. Die 32-GB-Variante soll 499 US-Dollar kosten. Laut den Gerüchten wird das Tablet jedoch nicht auf der bevorstehenden Google I/O präsentiert, sondern irgendwann im vierten Quartal dieses Jahres. Auch ist es gut möglich, dass das Tablet nicht mehr zur Nexus-Reihe gehören wird, sondern ein Tablet aus dem Android-Silver-Programm (zur Meldung) werden könnte.
Das als “Android Silver” bekannte Programm würde Google und Android als Marken aufbauen, jedoch unmittelbar auf Kosten der Hardware-Partner, allen voran Samsung. Das muss fast zwangsläufig zum Machtkampf führen, an dessen Ende eine interessante Frage eine Antwort haben könnte: Wer ist stärker? Google oder die Hersteller?
Der Gedanke dahinter ist, dass Google auf die Nexus-Reihe verzichtet und stattdessen direkt in den Shops der Netzbetreiber separat jeweils eine Handvoll Top-Smartphones anderer Hersteller anbietet, auf denen reines oder kaum verändertes Android läuft. Diese würden von eigenen Google-Mitarbeitern verkauft, sie würden einen von Google betriebenen Premium-Kundenservice erhalten und von Google bevorzugt mit Updates versorgt. Außer dem Hersteller-Logo auf dem Gerät würde den Käufer kaum noch etwas mit HTC, Sony und Co. verbinden. An dessen Stelle träte ganz frech Google.
Was bedeutet das konkret?
Erst mal sind nur Nachteile für die Hersteller ersichtlich, denn Google würde sich hier all dessen bedienen, was diese aufgebaut haben (also Marke, Hardware, Image, Kundenbindung etc.) und einfach seinen Namen aufstempeln. Google würde diese Top-Geräte auf eine Art kontrollieren, die LG und Co. nicht gefallen kann, nähme es den Herstellern doch die Zügel eines Teils ihrer eigenen Geschäfte weitestgehend aus der Hand. Je nachdem, wie erfolgreich Android Silver ist, würde es die eigeninteressierten Bemühungen der Hersteller langsam unterminieren.
Kleinere Hersteller mögen dies noch als Gelegenheit sehen, ihre Geräte durch einen großen Player bewerben zu lassen. Aber gerade Samsung kann kein Interesse daran haben, einen Konkurrenten unmittelbar aufzubauen, mit dem es eine reine Zweckehe führt, an dessen perspektivischer Annullierung es bereits schleichend arbeitet. Googles Abhängigkeit von Hardware und Markennamen der Hersteller ist das einzige Druckmittel, das Samsung und Konsorten haben und Google daran hindert, frei nach Laune Bedingungen für die Nutzung seiner Software zu diktieren.
Wer ist stärker?
Das ist die große Frage, die wir uns schon lange stellen, sich aber noch nicht beantworten lässt. Google und die Hardware-Partner (und man muss hier hauptsächlich von Samsung sprechen) sind miteinander verwoben in einem komplexen Geflecht aus gegenseitigen Abhängigkeiten. Beide Seiten arbeiten an Autonomie. Samsung arbeitet an hauseigenen Pendants zu Googles Software, sogar zu Android selbst (Tizen). Google arbeitet ganz bewusst am Aufbau der eigenen Marke, um unabhängiger zu werden. Was wir hier sehen, ist eine Art Kalter Krieg zwischen beiden Seiten, ein Wettrüsten, das früher oder später zu einem Zusammenbruch des momentanen Gleichgewichts führen kann. Der bisher größte Test könnte Android Silver werden. Wenn es denn kommt. Wenn nicht, dürfte auch das eine Antwort auf die oben gestellte Frage sein.